Die Stadt des “Ovo pinto”, des bemalten Ostereis

CIVITELLA DEL LAGO – Es ist der künstliche See von Corbara. Ein Staubecken, das zu Beginn der 60er Jahre gebaut wurde, um das Wasser des Tiber-Flusses zu nutzten. Ein blauer Fleck im Grün der Weinberge und Wälder, die ihn umgeben. Civitella, Burg und mittelalterliches Städtchen das heute ungefähr 500 Einwohner hat, überragt dieses blaue Fleckchen und das mittlere Tiber-Tal vom Gipfel eines Hügels von 476 m Höhe über dem Meeresspiegel. Die Einwohner nennen sie auch die „Stadt des Windes“. Es gibt viele Gründe um dieses typische umbrische Städtchen zu besuchen: Die Schönheit der Landschaft, die vielen natürlichen Wanderpfade die man zu Fuß, mit dem Fahrrad oder zu Pferd entdecken kann, die vielen Bauernhöfe des Gebiets und berühmte Restaurants, wie das von Gianfranco Vissani oder von Paolo Trippini, genau im Zentrum des Ortes. Und dann ist da natürlich ein einzigartiges Museum: Das Museum des bemalten Ostereis, in dem einzigartige Kunstwerke ausgestellt sind. Eier, von vielen Tierarten, bemalt und geschnitzt von Künstlern und Amateuren, die an einem jährlichen Wettbewerb teilgenommen haben, der der Tradition des Ostereiermalens gewidmet ist.

Ein Name der oft geändert wurde

Civitella del Lago, auf halbem Weg zwischen Todi (ungefähr 20 Kilometer) und Orvieto, verdankt sie ihren Namen, diesem vom Menschen gebauten See. Plinius nannte die Stadt Vindino. Die vielen archäologischen Funde des Gebiets bestätigen, dass dieses Territorium in Römischer Epoche eine blühende Landwirtschaft hatte. Die Produkte des Bodens erreichten das kaiserliche Rom mit Booten und Flossen über den Tiber-Fluss vom Hafen in Pagliano. Schloss und Festungsdorf im Mittelalter, war es ein Hauptpunkt des Verteidigungssystems des nahen Todi, das oft im Krieg war mit Orvieto, der anderen mächtigen Stadt. Und genau während eines dieser Kriege, wurde das Städtchen 1367 von den Soldaten aus Orvieto belagert und schwer beschädigt. Der Name hat sich im Lauf der Jahrhunderte öfter geändert, sowie auch die Herrschaften und Besitzer wechselten: Civitella di Massa, Civitella de‘ Pazzi und dann 1962, mit dem Bau des Staudamms, Civitella del Lago, Ortsteil der Gemeinde Baschi, in der Provinz Terni.

Eine Stadt aus schneeweißem Travertin-Stein

Es sind diese Blöcke aus schneeweißem Travertin-Stein auf den Mauern des Schlosses und der Gebäude aus dem 16. Jahrhundert, die die Besucher schon von Weitem bezaubern. Und dann, nachdem man aus den Steineichen – und hundertjährigen Kastanienwäldern tritt, das Panorama das von Umbrien (mit Orvieto und der Oase von Alviano), über Latium (mit den Cimini Bergen und Montefiascone) zu den Hügeln der Toskana, mit dem Gipfel des Amiata Bergs, reicht. Der beste Punkt um all dies zu bewundern ist die Piazza Belvedere. Man erreicht sie durch das Guardiola Tor, ein Tor des antiken Schlosses, von dem aus die Wachen den gesamten südlichen Teil des Gebiets kontrollieren konnten. Daneben befindet sich der Diomede Bogen aus dem 15. Jahrhundert und die antike mittelalterliche Zisterne für Regenwasser, die den Einwohnern als „il pozzo del rapido“ bekannt ist. Wenn man die Straßen des Ortes entlangspaziert, kann man Gebäude aus dem 16. Jahrhundert bewundern, wie zum Beispiel die der Landwirtschaftlichen Gemeinde und den Palazzo Atti mit seinen wunderschönen Sälen. Interessant ist auch die Madonna del Prato Kirche, im 14. Jahrhundert von der Brüderschaft der Unbefleckten Empfängnis gebaut. Für weitere Informationen: www.civitelladellago.it

Das Museum des bemalten Ostereis

Es wurde mit dem Geld der Einwohner und durch den Verkauf eines Waldes gegründet. Eier in der Osterzeit zu bemalen, ist eine sehr antike Tradition, die sogar bis in die römische Zeit zurückführt. Sie wurden unter anderem mit Aufgüssen von Blumen, Kräutern oder Zwiebeln bemalt. Arte Povera, die die 1981 gegründete lokale kulturelle Vereinigung Ovo Pinto beschlossen hat zu schützen und mit einem nationalen Ausstellungswettbewerb zu ehren. Und so wurden über Jahre hinweg, tausende bemalte Ostereier und Kunstwerke gesammelt. Traditionelle Ostereier mit heiligen Bildern, mit Blumen aber auch mit Kirchen, Denkmälern und Werken von berühmten Künstlern. Dann gibt es natürlich auch einzigartige

Kunstwerke wie die Pietà von Michelangelo aus Eierschalen nachgebaut oder sogar einen Billardtisch mit bunten Eiern als Kugeln. Dieses weltweit einzigartige Museum wurde von den Einwohnern Civitellas ins Leben gerufen, die 1996 ein Volkskomitee gegründet und das notwendige Geld gesammelt haben, um Casa Spazi, jetziger Sitz des Museums, zu kaufen. Geld aus ihren eigenen Taschen: Von den wenigen tausend Lire der Rentner zu den zwei Millionen Lire eines Landsmannes, der sein Glück als Emigrant im Ausland gefunden hatte. Weitere 36 Millionen wurden durch den Verkauf eines Waldes der lokalen Landwirtschaftsgemeinde einkassiert. Das Museum organisiert auch Besuche zu archäologischen Stätten, mittelalterlichen Orten, Bauernhöfen und Lehrpfaden für Schulgruppen, Familien und Touristen, die die Natur und die vielen Attraktionen und Besonderheiten dieser grünen Oase zwischen den Kunststädten Todi und Orvieto, kennenlernen möchten. Für weitere Informationen: www.ovopinto.it

Enzo Ferrini

(19. Mai 2013)

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17 Mai 2016 Enzo Ferrini ,

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